#609060

Jetzt muss ich denn doch auch noch mal ein wenig Senf dazu los werden, weil ich von Anfang an mitgemacht hab bei der Aktion auf Instagram.

Das Hashtag ist entstanden, um normale Menschen in normaler Kleidung zu zeigen, als Gegenpart zu Modefotografie und Modelnormen. Gut, natürlich kann man über das „normal“ streiten, aber muss man das wirklich so verbissen? Ich bin irritiert, weil sonst eigentlich in jeder Runde ich diejenige bin, die sich an Sprachnuancen aufhängt und dafür mit rollenden Augen bedacht wird. Hier find ich es jetzt nicht so schlimm, vielleicht einfach, weil ich weiß, wie spontan es entstand, weil man jederzeit auch andere Sachen drunterschreiben kann, tat ich auch schon. Und weil doch eigentlich (dachte ich) allen klar ist, das „normal“ hier eben real, im Sinne der Abgrenzung zu vorgegebener so-sollst-du-sein,-so-sind-aber-nur 5% der Menschen-Norm gemeint ist. Normal im Sinne von „so sind Menschen“. Was eben vor allem bedeutet: unterschiedlich.

Dann las ich, es sei so furchtbar, dass die Leute sich (meistens) ohne Kopf zeigen. Also zum einen liegt das bei mir schlicht an meiner Spiegelposition, die mich schon dankbar sein lässt, wenn ich meine gesamte Kleidung halbwegs draufbekomme, da ist für Kopf echt keine Platz mehr, denn das Fotofenster von instagram ist quadratisch, mein Spiegel nicht. Zum zweiten ist das zumindest bei mir Teil der persönlichen Vorsicht. Denn in egalwelcher Form des Netzes habe ich nur sehr ungern Bilder von mir, die eine direkte Identifikation ermöglichen. Mag albern sein, ist aber so. Darum werden Bilder mit Kopf von mir die absolute Ausnahme bleiben. Das hat aber mit sexistischer und reduzierender Darstellung nun so gar nichts zu tun.

Dann gab es den Kritikpunkt, dass sich überwiegend Frauen (viel zu wenig Männer, finde ich auch) um Größe 40 herumzeigen. Äh, Verzeihung, aber dafür kann ich nichts. Ich sehe so aus, wie ich aussehe, und ich habe nun mal Größe 40. Und ja, es gibt weniger Frauen jenseits der Kleidergröße 46 als darunter. Das ist ein Fakt. Auch den kann ich nicht ändern. Und das davon vielleicht auch noch mehr Frauen Hemmungen haben, sich zu zeigen, das kann ich auch nicht wirklich ändern, außer vielleicht aufzurufen: Macht doch einfach. Aber bitte: zu einer Minderheit zu gehören ist nicht schlimm, oder sollte es zumindest nicht sein und ist bestimmt kein Grund, sich nicht zu zeigen, denn die Logik ist schlicht falsch: Ich seh so wenig Bilder von Leuten, die sind wie ich, also zeig ich auch keins. Meint irgendwer wirklich, dadurch ändert sich was?

Eigentlich war das Ganze mal nett. Im Moment vergeht mir grad der Spaß dran.

So, nun hab auch ich, wie viele andere Blogs mit drüber ausgekotzt. Weitermachen mit irgendwas wichtigem, bitte.

 

 

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4 Antworten zu #609060

  1. Frau_Mahlzahn schreibt:

    Ich hab‘ jetzt erst mal googeln müssen, was das überhaupt ist… Ist spurlos an mir vorüber gegangen.

    So long,
    Corinna

  2. Pingback: #609060 – Die Blogschau | Ach komm, geh wech!

  3. Annie schreibt:

    Mir geht’s genau wie Dir…auch Groesse 40, auch meistens ohne Kopf…aber (zwar erst seit kurzem, aber immerhin!) jetzt auch bei der Sache #609060 ;)

    So sieht sich Frau (oder besser wir uns) naemlich immer mal wieder ;)

  4. Tina schreibt:

    Und ich musste überhaupt erstmal „hashtag“ nachschlagen – meine Güte bin ich rückständig!

    Überhaupt finde ich, dass da viel zu wenig Analytikgeräte photographiert werden. Manche Dinge sind eben toternst, auch wenn Frau Miest das nicht begreifen will :-)

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