Spielzeug

Es ist sehr süß, wenn der Miest-Mann sich nach zehn Jahren ein neues Mobiltelefon kauft.

Da werden tagelang Berichte verglichen, Preise studiert, Bilder geschaut. Wenn dann endlich, endlich bestellt ist und er dankenswerterweise die Nachricht hat, das sein Wunschobjekt auf dem Weg ist, dann stromert der Miest-Mann den ganzen Vormittag etwas ziellos durchs Haus, immer mit einem Ohr an der Klingel.

Natürlich kommt der Postbote drei Minuten, nachdem der Miest-Mann mit dem Sohn in die Stadt gefahren ist. Am Nachmittag dann aber: Feierlich zelebrietes Auspacken, begucken, feststellen, dass der Daumen etwa fünfmal so groß ist wie die Tasten (nächstes Mal gibt es ein Senioren-Modell). Während der Akku lädt wird das Handbuch studiert und eine Viertelstunde lang über dem alten Gerät geflucht, weil es nicht aufgehen und die Sim-Karte hergeben will.

Dann folgt der ein wenig unsüße Teil, in dem der Miest-Mann versucht herauszufinden, wie er a) den Tastenton abstellt. b) die Lautstärke runterregelt und c) einen einigermaßen erträglichen Klingelton findet. In dieser Zeit kann es ratsam sein, einen etwas distanzierteren Beobachtungsposten einzunehmen.

Die folgenden Stunden sind dem Erforschen der verschiedenen Menüs gewidmet. Nachdem er mir vorher dreimal versichert hat, dass ja alles gaaaaanz intuitiv ist und er kein Handbuch braucht stellt sich dann doch heraus, dass das Beenden des nervigen Videos offenbar von jemand sehr merkwürdig denkendem programmiert wurde, denn es dauert etwas länger – so ganz intuitiv.

Die Kopfhörer sind zum Glück recht gut und wenn er jetzt die Kabel auf die richtige Länge einstellen kann, dann wird mein Abend nur noch von gelegentlichem „Guck mal, ist ja toll“ und „hör‘ doch mal, was klingt besser?“ unterbrochen werden.

Ansonsten warte ich nur noch auf das erste „wo ist mein Telefon?“, weil das Teil doch nur noch etwa ein Drittel an Gewicht und Größe des alten hat.

Und so in drei, vier Wochen lesen Sie dann, wie überaus toll es ist, wenn Frau Miest herself ein neues Mobiltelefon (natürlich ein völlig anderes) ihr eigen nennt.

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2 Antworten zu Spielzeug

  1. grainnee schreibt:

    *lach*

    Wieso kommt mir das nur so bekannt vor? Und klar: Handbücher sind was für Warmduscher ;-)

  2. Andrea schreibt:

    Dieses Procedere mache ich ca. einmal im Jahr durch. Allerdings ohne das Handbuch. Das wird nämlich direkt wieder im Karton verstaut. Braucht (mein) Mann doch nicht;-). Und leider auch ohne Kopfhörer.
    Ich habe übrigens festgestellt, dass die Mobiltelefone wieder größer werden.

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