Urlaubsbericht

Was soll ich sagen? Es war sehr schön, das Bloggen hat mir kaum gefehlt (ich habe ja Reisetagebuch geschrieben), mit 600 habe ich deutlich weniger Fotos gemacht als noch vor zwei Jahren in Tunesien – eine Spiegelreflex schleppt man halt doch nicht immer mit, und die boshaften Beobachtungen kommen jetzt.

Das fängt mit den Sicherheitsbedingen für den Flug an: Meine Holzstrumpfstricknadeln, die bei jeder ernsthaften Berührung zerbrechen, darf ich nicht mit an Bord nehmen – um dann für die Kinder ein Schiffe-versenken-Spiel vom Bordpersonal geschenkt zu bekommen, dem zwei Bleistifte beiliegen, die derart angespitzt sind, dass sie eigentlich Warnschilder bräuchten. Yap, alles klar.

Dann so Pauschalurlauber, ’ne, da gibt es ja jede Menge Klischees drüber. Lassen Sie sich gesagt sein: Die laufen alle wirklich rum!

Ich meine, es ist ja toll, dass inzwischen wohl so ziemlich jedes Hotel darauf hinweist, dass sie beim Abendessen um angemessene Kleidung bitten und dahinter in Klammern immer steht „lange Hosen für Herren“. Die Herren sind auch selten das Problem.

Vielleicht sollten sie eher mal hinschreiben, dass auch die Damen bitte zu ihre Haut zu mindestens 20 % bedecken müssen. Ehrlich, ich habe hier auf dem Straßenstrich schon mehr (und geschmackvoller) bekleidete Damen gesehen, als dort im Restaurant. Ich könnte mir gut vorstellen, irgendwann einen Bildband darüber herauszubringen, was sich typische Urlauber so unter „angemessener Abendgarderobe“ vorstellen. Schau-der-haft.

Mein absoluter Liebling war Püppi. Püppi war etwa 16, mit ihren Eltern dort, gebaut gespritzt wie eine Barbie und hatte ein Benehmen, das mich mit offenem Mund starren lies. Püppi hatte 13cm hohe Plateusandalen an, auch am Pool. Aber auch ohne diese lief sie nicht, sie schwebte, wobei sich ihre Hüften ca. 50cm nach rechts und links bewegten. Püppi trug einen weißen Bikini, der natürlich nur aus den allernotwendigsten Dreiecken bestand und war die einzige, die ihre Liege nicht immer in den Schatten, sondern immer in die Sonne rückte. Püppi trug auch am Strand 15cm lange Glitzerohrringe und ihr aller-allerwichtigstes Utensil am Pool war ein Kosmetikspiegel von professionellen Ausmaßen. Damit wurde alle halbe Stunde kontrolliert, ob die Sonne noch keine tiefen Falten ins Gesicht gebrannt hatte. Püppi ging auch regelmäßig ins Wasser, nein, sie glitt hinein (alles andere hätte die schlecht blondierten Haare, die bis zur Hüfte reichten durcheinanderwirbeln können), schwamm zwei Bahnen und legte sich wieder hin. Wahrscheinlich hat ihr jemand erzählt, dass Wasser das Sonnenlicht reflektiert und sie so schneller bräunt. Ich glaube, Püppi hatte ungefähr soviel Spaß wie andere Leute beim Steuerberater – richtig braun zu werden ist schließlich harte Arbeit. Am allerschönsten fand ich allerdings die Szene, als Püppi mit ihren Eltern zum Mittagsimbiß ging und vorher ihrer Mutter – die vom gleichen Typ war, die Locken sehr sorgfältig mit Haarspray in Form ziehen musste. Ich meine: Haarspray. Am Pool, um drei Schritte weiter einen Imbiß zu holen. Jau.

Ein sehr erholsamer, wunderschöner und süßer Gegensatz waren zwei ältere Damen, die wir nur die beiden Mrs. Rutherfords nannten – genau wie die beste aller Miss Marples in Aussehen und Benehmen. Beide mindestens 75, vielleicht auch 90 Jahre alt – und mit knallpinken Crogs.

Ansonsten kann ich berichten, dass die Jungs jeder zwei 700-Seiten Fantasy Romane gelesen haben und wir dann für die letzten Tage noch eine bißchen griechische Mythologie nachkaufen mussten, damit sie darüber streiten können, wer nun zuerst in der Odisse (zu sprechen wir Hornisse) weiterlesen darf. (Jemand Interesse an einem Lesezirkel? Die lesen mir die Haare vom Kopf).

Auch schön ist es, wenn man ein Zimmer mit Meerblick hat und abends mit wundervollem Meeresrauschen im Ohr einschlafen kann. Jedenfalls am ersten Abend. Denn danach muss man feststellen, dass dies der einzig freie Abend der Animation des Nachbar(!)hotels war, die jetzt wieder jeden Abend bis Mitternacht derart die Musik aufdrehen und lustige Spielchen machen schreien, dass vom Meer nichts mehr zu hören und an schlafen nicht zu denken ist. Das einzige Glück war, dass sie es in französich taten, wovon ich kein Wort verstehe. Übrigens früher – also so vor vielen, vielen Jahren, liebe Kinder, als es noch zwei Deutschlands gab – da war es ja nie so, dass im Urlaub so viel russisch und artverwandte Sprachen zu hören waren. Das ist mir diesmal extrem aufgefallen. Aber zurück zum Text.

Wenn die dann fertig waren, kamen bestimmt die Gäste, die in ihren sehr laut klatschenden Flip-Flops den ganzen 100m langen Hotelflur langfloppen mussten, um sich dann direkt vor unserer Zimmertür ausgiebig 10 Minuten lang zu verabschieden und leider durch die Animation schon etwas ertaubt waren. Danach verrückten die Leute über uns sämtlich Möbel in ihrem Zimmer – und die müssen da deutlich mehr gehabt haben als wir, solange hätte ich jedenfalls nicht rücken können.

Aber wie gesagt, es war ein sehr schöner Urlaub, den wir uns durch solche Kleinigkeiten nicht vermiesen ließen. (Und wer sagt denn, dass ich an so viel Lästermaterial nicht auch meinen Spaß hätte?).

Zu erwähnen bleibt noch, dass wir außergewöhnliches Glück hatten. Denn das etwas tapsige und unvorsichtige Miest schaffte es am dritten Tag, beim Planschen in Meer ihre Sonnenbrille in der richtigen Glasstärke sich von einer großen Welle von der Nase spülen zu lassen – und Sohn Nummer zwei fand sie nach 10 Minuten wieder! Auch das Kuschelkissen von Sohn Nummer eins, das dieser besitzt seit dem er fünf Wochen alt ist, und das weiß ist, weshalb es mit der weißen Hotelbettwäsche verschwand, tauchte am letzten Tag wieder auf.

Zum Schluß noch eine Frage an die Maus: Wieso fange ich nach dem Sommerurlaub immer im Flieger nach Hause bereits an, die Sonnenbräune abzupellen?

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9 Antworten zu Urlaubsbericht

  1. Doris schreibt:

    Das mit der Pflichtbekleidung für Damen finde ich eine extrem gute Idee. (Mein Vorpubertierender kam teilweise nicht zum essen vor lauter glotzen- und mir wird dabei schlecht.)
    Gruß, Doris

  2. orangata schreibt:

    Das eine Foto sieht so aus, als wäret ihr auf Santorin gewesen .
    Lieben Gruß
    Pia

  3. FantaFünf schreibt:

    Irgendwie kommt da -trotz des offensichtlich vorhandenen Lästerpotentials dieses Urlaubs- ein kleines bisschen Neid auf … *auchindiesonnewill* … nach drei Wochen Urlaub auf Balkonien und Terassien, der auch schön war, aber halt nicht Griechenland (so wie es aussieht ;-)).

    Übrigens – bei dem Lesezirkel wäre ich sofort dabei … und Fantasy klingt ganz nach Lesefutter meiner drei Jungs (und ein bisschen auch nach mir …). Also bei Bedarf melden!

    Und – cremen, cremen, cremen … dann sollte die Farbe ein bisschen länger halten :-).

    Lieben Gruß – Brigitte

  4. dasmiest schreibt:

    Yap, Griechenland. Kreta mit Tagesausflug nach Santorin – an dem Tag, an dem ich völligst erkältet war.

  5. FantaFünf schreibt:

    Du Arme – wie lange ist man da auf dem Schiff … ca. 4 Stunden, oder? Und der Abstieg zum Hafen war bestimmt auch keine reine Freude oder bist Du auf einem Esel geritten (ja – ich war auch schon dort, ist allerdings schon etliche Jährchen her ;-))?

  6. multiples schreibt:

    Schöne Fotos. Ich hätte nur zu gerne ein Bildchen von „Püppi“ gesehen – wenigstens von hinten, nur um zu kontrollieren ob das Bild in meinem Kopf ungefähr die Realität beschreibt.

  7. multiples schreibt:

    Ich seh jetzt erst den Banner :-) Weiß die Frau, dass sie im Inet rumliegt? :-)

  8. dasmiest schreibt:

    Es waren zwei Stunden Schiff und dann zum Glück viel Bus, denn den Aufstieg hätte ich sicher nicht geschafft.

    Püppi konnte ich nicht fotografieren, ich war zu sehr mit Starren beschäftigt ;-). Owohl sie sicher gern posiert hätte…

  9. unterholzbewohner schreibt:

    Was für ein genialer Header! Ich musste grad sehr lachen!

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