Wutschnaubend

Ich glaube, ich schrieb schon mal darüber. Aber heute und immer wieder ist es einfach so: Was mich in Nullkommanix auf die Palme bringt, aber sowas von hoch, dass sind hirnlose Beiträgen in Foren in der Art von „jedes Kind sucht sich seine Eltern aus“ oder „das hat eben zu euch gewollt“, gerne zu Frauen, die ungewollt schwanger werden.

Boah, da werde ich derart zum Tier. Ungewollt schwanger wird frau, wenn mit der Verhütung geschlampt wurde oder da technische Pannen passiert sind. Punkt. Und bitte: In diesem Land muss zum Glück keine Frau mehr ein ungewolltes Kind bekommen, selbst wenn das passiert.

Hat eine dieser blümchen-esoterik-Verbreiterinnen je über den Schwachfug nachgedacht, den sie da ablassen? Ich meine, was ist mit all den Kindern, die von ihren Eltern mißbraucht, gequält, umgebracht werden? Haben die sich ihre Eltern auch ausgesucht und „halt so gerne zu ihnen gewollt“, vielleicht, weil sie darauf stehen? Oder haben sie sich leider nur ein bißchen geirrt, mangels Menschenkenntnis?

Und all‘ die Frauen, die ungewollt nicht schwanger werden oder Fehlgeburten haben: Gibt es keine Kinder, die zu ihnen wollen? Und wenn ja, warum nicht?

Es sollte doch wohl absolut klar sein, dass die Tatsache ob und wann man schwanger wird nichts, aber auch so gar nichts mit der Befähigung zum Elternsein zu tun hat.

Tut mir leid, aber solcherart von Hirnabstinenz gegenüber bin ich absolut intolerant.

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10 Antworten zu Wutschnaubend

  1. Katrin schreibt:

    also ich bin aktuell ungeplant schwanger. Aber ich muss dir recht geben. Es war auch bei mir kein „Schicksalsschlag“ bzw. ein Engelchen, dass sich mich als Mama ausgesucht hat oder dergleichen, sondern ich hätte die Packungsbeilage der MINIPille genauer duchlesen müssen. Dass man die quasi auf die Stunde pünktlich nehmen muss war mir nicht klar. Meine FÄ hat mich da auch nicht wirklich deutlich drauf hingewiesen.

    Am Anfang wars tatsächlich ein Schock, doch inzwischen freue ich mich drauf. Ist ja nicht das 1. Kind und hat auch seine Vorteile, wenn der Abstand der Kinder so knapp ist (ca. 18 Monate) und ich bin alt genug.

    :-)

  2. Daniela schreibt:

    Meinst du den Beitrag im Babyzimmer?

  3. eliot schreibt:

    mein sohn sagt, er hätte sich damals verlaufen und sei ausversehen bei mir gelandet, deshalb hätte er auch so laut geschrien, als er den irrtum entdeckte …

  4. Bini schreibt:

    danke . Du sprichst mir aus dem Herzen

  5. Limette schreibt:

    Liebe Frau Miest,

    ich habe mir meine Eltern weiß Gott nicht ausgesucht. Aber wissen Sie was? Ich habe oft darüber nachgedacht, warum es nun ausgerechnet mich getroffen hat. Und der Gedanke, dass anstelle eines weniger starken Kindes dorthin gekommen bin, hat mich getröstet, irgendwie. Ich habe es ausgehalten, nicht unversehrt, aber in Splittern nun doch ins Erwachsenenleben geschafft. Ich bin stolz darauf. Vielleicht wurde ich tatsächlich ausgesucht, wer weiß das schon. Das Kreuz behält sein Gewicht.

    Ich bin nach einer Vergewaltigung schwanger geworden. Das ist wohl weder eine technische Panne noch ein Verhütungsproblem gewesen. Und doch – ich MUSSTE dieses Kind bekommen. Der Gedanke daran, ein Wesen, das zu mir wollte, in dieser Situation, die die denkbar schlechtesten Voraussetzungen für eine Schwangerschaft bot, zu töten, ließ mich fast verzweifeln. Ich hatte nicht wirklich eine Wahl, weil ich mich in zweierlei Hinsicht für ein Leben danach entschieden habe.
    Ja, vielleicht wollte dieses Baby zu mir. Allen Widrigkeiten zum Trotz.

    Ich habe mit diesem Kind drei Kinder verloren. Auch dafür gibt es Gründe, die ich nicht verstehen muss, und die vielleicht im „esoterischen Schwachsinns-Bereich“ liegen. Aber aus vielen dieser „fadenscheinigen“ Begründungen kann man Trost ziehen. Oder Hoffnung. Und wer bin ich, dass ich mir das versage?
    Meine Tochter hat eine ganz wundervolle Beschreibung meiner letzten Fehlgeburt: „Emi wollte noch nicht zu uns kommen, weil sie noch bei den Sternen gebraucht wird, wo die vielen anderen noch nicht geborenen und toten Kinder sind“
    Ich halte mich oft an diesen Worten fest, wenn es wieder zu dunkel um mich herum wird.

    Alles hat drei Seiten: die, die du siehst, die, die ich sehe, und die, die wir beide nicht sehen können…

    Die reine Fruchtbarkeit hat in der Tat nichts mit der Befähigung zum Elternsein zu tun. Da gebe ich Ihnen uneingeschränkt Recht.

    Noch einen wunderschönen Abend und liebe Grüße,

    Kati

  6. serenity schreibt:

    Auch ich habe mir meine Eltern nicht ausgesucht. Sicher nicht.
    Und wenn ich sowas lese dann kommt mir auch immer die galle hoch.
    Auch wenn ich dann daran denke wieviele Frauen durch Vergewaltigung schwanger werden, dann könnt ich k*****, wenn ich dann noch lesen/hören muss, dass das alles schon so gewollt ist und das Kind unter Umständen das positive an der Vergewaltigung ist… das will keiner hören/denken. Wirklich nicht.

  7. Michaela schreibt:

    Na wenn ich das lese.. Kinder die zu einem Wollen oder nicht…. ich weiß nicht.. ich trauere meinem Mädchen, das in meinem Bauch im 8. Monat gestorben ist immer noch nach…. war sie falsch bei uns und hat deinIrrtum rechtzietig gemerkt? alles quatsch…

    Oder Kinder die bei Eltern ankommen die ihre Kinder mißhandeln? …

    Na hier in Deutschland brauch tman für alles Genhemigungenund Bescheinigungen. Wieso darf man dann einfach Kinder bekommen ohne diese Bürokratie. Ich finde in dieser heutigen Zeit mit Misshandlungen und solchen Sachen, Warum wird kein Elterntraining als Pflichtkurs während der ersten Schwangerschaft oder so einmal im Jahr ein paar Stunden für Erziehungstipps/ erfahrungsaustausch mit Fachleuten zur Pflicht. Denn wenn man freiwillig sich beim Fachmann Tipps holt wird man doch als Unfähig abgestemmpelt.
    LG Michaela

  8. dasmiest schreibt:

    Liebe Kati,

    ja, natürlich sind Vergewaltigungen auch eine der Möglichkeiten ungewollt schwanger zu werden, hatte ich vergessen zu erwähnen. Auch mit Verhütungspannen wollte ich keinerlei Schuldzuweisungen treffen, sicher nicht.

    Und nein, wenn dir diese Gedanken Trost geben, dann sollst du sie dir ganz sicher nicht versagen. Nur kann ich diese Art Trost so überhaupt nicht nachvollziehen. Und ich finde es auch sehr strange, wenn man solche Gedanken in einem Forum einer Frau mitteilt, die man kein Stück kennt und zwar nicht als Angebot zum mal Andenken sondern als letzte Wahrheit. Da geht mir die Hutschnur hoch. Aber für mich ist auch die Vorstellung von ungeborenen oder gestorbenen Kindern irgendwo bei den Sternen oder sonstwo völlig abstrus.

    Deine Geschichte, soweit du sie hier angedeutet hast, tut mir sehr leid.

    Liebe Grüße
    Claudia

  9. Limette schreibt:

    Liebe Claudia,

    genau darum geht es mir ja. Für dich ist diese Vorstellung absolut „abstrus“, für andere bedeutet sie vielleicht den einzigen Hoffnungsschimmer, um überhaupt weiterzumachen.

    Es ist wie mit dem Glauben – wenn der Partner stirbt und es wird gesagt, tja, der ist jetzt halt tot und vergammelt unter der Erde und danach kommt nichts mehr. Pech gehabt.
    Und wenn man tausendmal dieser Meinung ist – es ist respektlos, das so zu sagen.

    Ungefragt und als letzte Wahrheit diese Dinge einem anderen aufzudrängen, ist wohl in beiderlei Hinsicht verkehrt. Das hat wirklich nur mit Egoismus zu tun.
    Und wenn ich die Wahl habe, jemandem auf „esoterische“ Weise ;o) vielleicht so etwas wie Hoffnung oder Zuversicht mitgeben zu können, dann wähle ich diesen Weg.

    Es wäre schwer für jemanden wie mich, jemandem wie dir Trost zu spenden. Weil die Dinge, an denen ich mich festhalte, bei dir vermutlich nur zu leichterer Heiterkeit ob meiner Naivität führen.

    Aber das ist im Umgang miteinander wohl auch die wahre empathische Herausforderung.
    Aus Hilflosigkeit erwachsen ebenfalls solche Begebenheiten, wie du sie oben erwähnt hast.

    Meine Geschichte muss dir nicht leid tun. Sie ist wie sie ist.

    Liebe Grüße,

    Kati

  10. E.M.J. schreibt:

    Ich finde solche Behauptungen auch völlig gefühlskalt. Meist stammen sie auch von Menschen, die selbst noch keine wirklich schmerzhaften Katastrophen erlebt haben – welche ihnen vielleicht die Überzeugung nehmen könnten, dass alles seinen Sinn hat und gewollt war.
    Oder die zu viele davon erlebt haben und daher unbedingt einen höheren Sinn darin sehen wollen, anstatt dass sie sich damit ehrlich auseinander setzen.

    Ich fürchte zutiefst, das spirituelle Entwicklung immer mehr zugunsten von esoterisch abgehobenen Überzeugungen, die auf einem abstrusen Weltbild des magischen Denkens basieren, verschwindet.
    Esoterik wie sie derzeit angepriesen und vermarktet wird, ist reine Weltflucht und bedingt den Verlust des Mitgefühls.

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